Archiv der Kategorie 'konzertrückschau'

Wir so: FOALS! Die so: WAHNSINN!

Und dann landest du auf dem Gig und du kennst die Band nicht wirklich aber macht nix weil „der kennt da jemanden“ und statt Bändchen gibt es Aufkleber, und der idiotische VIP Balkon macht das Leben einfacher, nein wir mischen uns nicht mit den Indie Kids da unten, thanks god, wir beobachten, spähen, nehmen auf, saugen auf, sind beeindruckt, werden beblitzgewittert, nicht bestagedived wie die da unten, immer noch beeindruckt und die Halle bewegt sich in Wellen und dann sind es doch nur die Menschen und am Ende klettern fünf verschwitzte junge Männer von der Bühne, die jünger sind als du jemals wieder sein wirst, und du bist froh, das Haus doch verlassen zu haben, weil vielleicht auch ein bisschen Energie auf dich übergegangen sein könnte.

Foals spielen im November in Deutschland, hingehen durchaus empfehlenswert.

(Achtung, Sänger kann nicht stagediven und springt mit den Füßen voran. Nicht in die erste Reihe stellen.)

i wanna do the bassplayer – oder: halts maul und geh heim. oder: ff/deerhoof/dirty projectors/frog eyes und so konzertnachlese

ein abend, ein toller abend, ein ganz wunderbarer abend mit ganz wunderbaren bands. berlin postbahnhof, sonntag abend, ein festival mit dem merkwürdigen titel „maximum black“ aber einem spitzen lineup. es spielen: frog eyes, dirty projectors, six organs of admittance, deerhoof, final fantasy und max tundra – nach demokratischer schlussabstimmung 5 von 6 bands volltreffer. hier in kurzform:

frog eyes
ja auch schon im ut gesehen, diesmal der sound nicht ganz so schepprig und inklusive keyboard, für gut befunden. schöner einstieg!

dirty projectors
der typ am merch noch so „they‘re amazing!!“ und wir AAAH TOLL TOLL. zwei jungs, zwei mädels, mehrstimmiger gesang, himmlisch, schräg, poppig und schrammlig. katinka sagt „dicht, nicht pompös, dafür war es zu rau, aber irgendwie schon viel…“. ganz wunderbar. absolutes highlight des abends – um hier bezug auf die überschrift zu nehmen – der typ, der die (in der tat äusserst gutaussehende bassistin) mit einem lauten „I WANNA DO THE BASSPLAYER!“ beglückte (später gefolgt von einem „you‘re beautiful“) – worauf die bands offensichtlich leicht angenervt reagierte (wortfetzen wie „spoiled it“ konnte ich durch das genuschel des sängers identifizieren). auch wenn der kommentar sicher nur „nett“ gemeint war – seiner sexuellen notlage durch hirnloses rumschreien luft zu machen und einer musikerin ihre funktion in der band völlig abzuerkennen, indem sie einfach auf eine eindimensionale existenz als hübsche bühnendeko (oder noch extremer: wandelnde sexpuppe) mit brüsten, kulleraugen und einem bass als schicken accessoire reduziert wird, ist in so einem rahmen völlig deplatziert. shut up and go home, bitte. lustig auch die technotänzer in der ersten reihe, aber das ist ein anderes thema.

six organs of admittance
kurz gesehen, nicht wirklich spannend gefunden (singersongwriter?) und für eine sitzpause den raum verlassen.

deerhoof
quietsch quietsch fiep, dogs tigers pandas FLOWER FLOWER FLOOOOOWEEEEER. deerhoof leben ihren dadaismus bis in die haarspitzen, die jungs schwanken breit grinsend über die bühne, satomi matsuzaki grinst noch breiter, gestikuliert wild zappelnd, rennt durchs publikum, erklimmt einen barhocker, fiept noch mehr, die jungs machen KRACH und das ganze ist einfach krazeeeee. abgesehen von einer zehnminütigen noiseorgie sehr unterhaltsam und toll. danke!

final fantasy
gerade noch einen auf feministin gemacht und sich über sexistische zuschauer aufgeregt, jetzt schon wieder rückfall in die frühpubertäre groupiephase – ich verehre owen pallett, die musik, den typen und alles und sowieso. er spielt gut gelaunt viele neue sachen, reagiert auf liedwünsche aus dem publikum mit einem charmanten „oh, be quiet“ und… hach. begeisterung und strahlende gesichter. der mensch kann machen was er will, er bleibt mein held. auch toll (so am rande) das micky mouse shirt mit glitzergeschlechtsteil und pailettensperma.
dank modernster technik (handykamera, bluetooth, notebook und youtube) könnt ihr hier auch ein video gucken! spitzending!

max tundra
alle schon völlig fertig und kaum noch stehfähig aber max tundra reisst alles raus. dieses kleine haarige energiebündel hüpft und zappelt über die bühne, mixt stampftechno mit 80er-fernsehserien-melodien und hacienda-elektro, das publikum (inklusive owen pallett) ist trotz schmerzender füsse ordentlich am tanzen und ach ist das super. noch breiteres grinsen, ein wunderbarer abschluss. auch hier haben wir eine multimediale megashow im angebot:

ja, alles super. ich wieder völlig unkritisch. mir egal. guckt euch die videos an (final fantasy hier und max tundra da)

also doch die typen vom dachboden!

ihr wart ja eh alle da, ausser xxx (name der redaktion bekannt), deshalb hier ganz persönlich, nur für dich lieber mischa, ein rückblick auf den sinnbus-abend im ut:

ampl:tude – kirmestechno ahoi!
durch zufall auch vor ner weile mal auf einer dachbodenparty gesehen (war das toll, betrunken und mit todesmutiger todesangst aufs dach geklettert!) und damals schon sehr begeistert. vier typen, die mal wie kraftwerk vor ihr synthiegedingse zementiert mit dem kopf nicken, mal wie ein sack flöhe durch die gegend wuseln, kuscheltiere auf ecstasy, scooter-cover und der typ, der sein abendessen einfach mal auf der bühne abhält. spass an der freude an der musik, danke!

seidenmatt – mehr als die summe der einzelnen teile.
zum dritten mal und immer noch oder schon wieder wunderbar. das tolle an seidenmatt ist ja, dass man nicht auf bestimmte tracks warten muss, weil jeder song für sich aus milliarden kleiner splitter besteht, die sich im ohr immer wieder neu zusammensetzen, das herz durcheinanderwirbeln und die kehle zuschnüren. wunderbares konzert mit eraserhead im hintergrund, band gut gelaunt, sound lauter als je zuvor aber für ut-verhältnisse schon wieder sehr gut. in meinem kopf schreibt sich eine liebeserklärung an diese band wie von selbst, they never let me down.

bodi bill – ich weiss nicht, was ihr habt.
da bin ich mal voreingenommen und entgegen meiner ständigen abkultung leider etwas sehr zurückhaltend, aber ich versteh nicht, warum alle so auf bodi bill abgehen. überzeugt mich nicht, weder auf platte, noch live. theres no place like home, deshalb habe ich die veranstaltung vorzeitig verlassen. und MANN der HUT geht GAR NICHT. küsschen trotzdem für die matching jumpers.

so. ich hoffe ihr häschen geht heute (morgen) fleissig abstimmen und ich wünsch euch viel glück, dass das seidenmattsche ohrenfiepsen bald wieder nachlässt, falls ihr auf gehörschutz verzichtet habt.

achja, png, sinnbus, habt ihr super gemacht! danke!

Ballboy – Avantgarde Music

Gestern, Berlin, Bang Bang Club. Noch so eine Weihnachtsgala. Ich komm rein in den Club, und will gleich wieder schreiend rausrennen und mich hinter einem Brückenpfeiler verstecken. Denn: Kinder! In einem Club! Nach zehn Uhr!!! Wo ist mein Psychater? Ich war dann aber doch so mutig mich meinen Dämonen zu stellen und bin tapfer reingegangen. Wenig später gingen dann gottseidank auch die Eltern der Bälger mit denselben. Kinder sind ja auf Konzerten noch viel schlimmer als Pärchen. Rennen spielend im Saal rum. Kreischen. Greinen. Brüllen. Wir sind doch nicht bei Take That.

AAALLLLSOOO. Kinder weg. Das strategische Bier fängt an zu wirken. Die langweiligen Vorbands sind endlich fertig. (Unter anderem: ein telefonierender Drummer, Jingle-Bells Darbietungen, Mädchen-schauen traurig-aus ihrem Zimmerfenster-und-denken-darüber-Lieder-schreiben-zu-müssen-Musik (längster Genre-Name ever, EVER!))

Dann endlich Ballboy, frisch aus Edinburgh eingeflogen, mit Gast-Drummer und netten Geschichten mit herzerwärmenden Akzent. Sie spielen das beste ihrer vier Alben, alle meine Lieblingssongs und ein paar neue Sachen. ‚You can‘t spend your whole life hanging around with arseholes‘, ‚I lost you but I found countrymusic‘, ‚Take me up into your room, tie me up and strip me naked, and then you‘ll see that sex is boring with me‘. Schottischer Selbsthass, selbstironisch vorgetragen. Unaufgeregt, aber nicht runter geschluddert. Not avantgrade enough? Well they don’t give a f**k cause you are just retail…

Caribou – Nebensächlichkeiten und Bindestriche

Spielten am Samstag im Uebel&Gefährlich (das war der selbe Saufausflug wie The National, Delbo u.a.) und begannen das Ganze mit nem Magenstopfer, heißt Trommelwirbel hoch zwei, da zwei Schlagzeuge. Mir zog es erst mal das Gesicht zusammen, als hätte ich in eine Zitrone gebissen und ich wich in die zweite Reihe zurück, wie auch das Restpublikum. Die Musiker grinsten sich an und es begann ein wunderschönes Konzert. Also viel Drums, Blockflöte, Xylophon, Gitarrengeschrammel, Soundeffekte (Hundegebell), Singsangsung und drei schrecklich süße Nicht-Lead-Bandmitglieder-Dingens-Boys. (Erwähnte ich das Groupietum schon?)

Caribou hieß ja früher Manitoba, wie der Staat (Kanada), wurde jedoch nicht vom Staat verklagt, wie erst gerätselt wurde, sondern von einem gewissen Wannabe-Indian-Chief-Blues-Musiker der neben irgendwelchem Esoterischem Geschwafel im Namen eben auch ein Manitoba mitführte. Nur um das mal zu berichtigen.

Das Publikum war etwas seltsam, ein paar unbewegliche Peruaner (?) in der ersten Reihe, die aber ganz gut als Bass-Schwall-Auffang-Bäuche dienten, und einer, der aus dem Konzert ein Bauch-Beine-Po-Programm machte, sich Schuhe (wie der Lead-Dingens) und das Hemd auszug und rumpöbelte. Die Band war nett synchron in ockerfarbene T-shirts eingekleidet und alle Mantitoba-Tonträger wurden umbenannt und haben noch ein paar Extra-Tracks erhalten. Was will man mehr? Mehr Zugabe!