Archiv für Februar 2009

Hol die Brüste raus!

Es gibt so ein paar Dinge, die wollte man schon immer mal machen, kommt aber nie dazu. Die Nutten von Blackjack machen es gern stellvertretend für euch. Damit ihr wisst, wie das ist. Ohne euch selber zu blamieren. Dafür sind wir doch da. Heute: BHs werfen.

Elvis. Oder der junge Tom Jones. Da hat man so was gemacht. Damals kreischten die Mädchen hysterisch und warfen BHs und Höschen auf die Bühne. Heute ist das nicht mehr so. Vor ein paar Jahren las ich, Tom Jones beklage sich, weil ihm nur noch neue abgepackte BHs zugeworfen würden. Insgesamt sind wir also braver geworden. Befreit wurden wir, und jetzt behalten wir die Möpse drin. Sind ja keine Hippies. Aber manchmal, da ist eine Band schon echt gut. Und geil. Und man würde schon gern, eigentlich. Weil der Moment grad so gut passt. Sich die Kleider vom Leib reißen und den Sänger anspringen. Jedoch – die Hemmungen sind zu groß. Man lässt es sein und denkt sich dann den ganzen Abend noch, Mann, wär das cool gewesen, so eine Aktion. Wäre.

Ich hab es getan. Endlich. Gestern. Der BH war von einem Geburtstagsgutschein von meinem Boss. Ich hatte also nichts zu verlieren. So ein Ding kostet ja nen Zwanni, das wissen Jungs nicht. Was altes verranztes will man aber auch nicht werfen. Zudem ist meine Wurfreichweite nicht sehr groß, Bälle kann ich vielleicht zehn Meter weit schleudern. BHs lassen sich sowieso schlecht werfen. Aber gestern, wie gesagt, hat alles gestimmt. Erste Reihe, gut angeschäkert von süßem Wein, die Stimmung war gut. Etwas halbherzig war es schon: Mein T-Shirt ließ ich an.
Der Sänger, der war eher baff. Hat ihn sich auf den Rücken geschnallt. Und ihn mir nach einem Song wieder zurückgegeben. Das Gefühl danach: War cool. Aber auch nicht sooo aufregend, wie man es sich früher immer vorgestellt hat.

So ist das also.

Yeah Baby, I can feel it! – Ich bin Teil einer Jugendbewegung!

Es gibt so Momente, da wächst das kalte unmenschliche Berlin zusammen und fällt sich freudestrunken in die fremden Arme – zugegebenermaßen eben auch betrunken. Dann lächeln sich alle an, und im Geiste ist man verbunden durch ein Geheimnis und das sichere Gewissen, bei was dabei zusein, was irgendwie bedeutend ist.
So war das gestern. Wavves spielten im West Germany. Der Club ist mir sowieso schon ans Herz gewachsen, gute Konzerte treffen hier auf interessante Menschen, wie der Medienmacher sagen würde, oder einfach: Alda, was für schräge Leudde, und die Musik – voll geil Aldaaa. Früher war das Ding wohl mal eine Arztpraxis oder ein Kulturverein oder ein Sachbearbeiterbüro, jetzt zerfällt der Ort, je tiefer man reingeht. Und je tiefer man reingeht, desto mehr lässt man auch was vom Alltag hinter sich, irgendwie. Na ja. Das ist auch alles mehr so gefühltes Blabla und ich kanns nicht beweisen. Jedenfalls: Wavves. Zwei so Typen, noch mit Babyspeck, aber auch mit ganz schön viel Wwrummms und Antrieb und Glücksbärchis-Momenten. Oder aber. Ich bin einfach nur betrunken. Aber wir freuen uns und tanzen irgendwie so komisch, Punk ist das noch nicht, dafür ist es zu melodisch, aber was anderes ist es auch nicht. Da will sich niemand festlegen, selbst die Schubladenschreiber nicht. Zwischendrin ruhige Stücke, vom heimkommen und umarmt werden wollen, kennt ja jeder. Auch gut. Dann wieder: Randale und wirres Körper-Gezucke. Dann: Aus. Wir: Nö, wir wollen weiter. Die so: Wir haben unseren Drumstick verloren. Na ja, reißen wir mal ne Deckenstrebe von der Wand. Dann doch noch: Drumsticks. Zwei schnelle Lieder. Glück! Aus.

Jetzt mal ernsthaft…

…ich glaub wir machen bald ein neues Heft! Es sieht SO gut aus! Wird bilingual und so!

Und eine Liste mit Sachen, die im Moment nicht neu aber TOP sind:

- Gemma Hayes!
- Calvin Harris Tickets haben. Und Digitalism. Und Oasis. Und Rakes.
- Überhaupt Tickets Monate im Voraus kaufen und direkt vor sich an die Wand kleben und jeden Tag aufs Neue freuen.
- Urlaubsplanung und Hotelauswahl mit Keynote präsentieren, inklusive Transitions.
- Das neue Macbook ist DOCH schwerer als mein Dell. Beruhigend.
- John Cooper Clarke live sehen. Fucking chips are fucking cold.
- TV on the radio.
- Englische Dialekte von 5km voneinander entfernten Städten auseinanderhalten können. Nächster Schritt: Imitieren.
- Built to spill nach Jahrzehnten mal wieder rauskramen.
- Blöde Mitbewohnerinnen, die plötzlich ausziehen und von netten Italienerinnen ersetzt werden.
- Radiohead, die Hail to the thief ist jetzt nach 4 (5?) Jahren auch super.
- Patti Smith.
- Demonstrationen der Gay&Lesbian Society vor der Student Union, die liebevoll gemalte Schilder mit Schnecken vor sich rumtragen.
- Mushy Peas.

Schöne neue Welt

Das Herz bei diesem Scheißwetter wärmen. Heiße Schokolade trinken. Dazu ein wenig mit dem überschlagenen Fuß wippen und sich wegträumen…oder sich einfach dran erfreuen, das es hier wahrscheinlich nicht ganz so eklig ist wie in Island grad. Besser gehen tuts uns schon. Sin Fang Bous, also der Frontmann von Seabear, hat mit Clangour die Kissen der Kuschelecke aufgeschüttelt. Sanft und zurückhaltend, aber eben auch mit verschrobenen Gefiepe und Geknarze, dass das Album eben nicht zu einem kitschigen seichten Unding verkommen lassen, sondern durch Sindri Mar Sigfussons Experimentierfreudigkeit zu einem interessantem aber trotzdem anhörbaren Werk abrundet. Es mag manchen zu seicht sein, anderen wiederum zu unstrukturiert, aber andererseits sind die Gedanken an sich zur Zeit auch eher tagträumerisch angelegt. Im Land der kunterbunten Dinge, das ein wenig an den Tausend-Wunder-Wald in „Jim Knopf und die wilde Dreizehn“ erinnert. Keine Neonfarben, aber auch kein Bon-Bon-Pastell. Es ist also: ein Album für faule Sonntagnachmittage.