Archiv für Januar 2009

Mama, Papa, wo wart ihr damals?

Das ist so eine Frage, die muss man seinen Eltern irgendwann mal stellen. Nein, ich meine keine Kriegsbeteiligung 45, ich meine noch nicht mal das Abhängen in irgendwelchen Kommunen 68. Ich will wissen, ob meine werten Herren Erzeuger, stolze Eltern eines Indie-Kindes, damals, als sie so alt waren wie ich jetzt also Ende der siebziger, Anfang der achtziger, all die schöne Musik mitbekommen haben, die es da gab. Joy Division, Hacienda, Young Marble Giants. Weil, witzig, haha, die Young Marble Giants haben sich für ein paar spezielle Gelegenheiten wiedervereinigt und sind heute Abend zu sehen. Das letzte Mal in Berlin gespielt haben sie 1980. Aber, war es damals unnerdigen Menschen wie meinen Eltern überhaupt möglich, von denen was mitzubekommen? Internet gab’s nicht, Cd’s gab’s nicht, Boulevardpresse, die Musiker weltumfassend zerreist, gab’s auch nicht. Und in Ö3 lief so was vermutlich auch nicht. Aber das sie von dem, was für uns heute (zugebener maßen in einem sehr kleinen teil der Gesellschaft) als so wichtig herausgestellt wird, so gar nichts mitbekommen haben sollen, noch nicht mal Songs beim Vorspielen zu erkennen glauben, das erschüttert mich schon ein bisschen. Nun ja, so ist es eben an mir gelegen, das nachzuholen, was sie unwissentlich versäumten.

Zwar kenne ich die Band auch nur seit sehr kurzem, habe mir quasi auf einen Hinweis auf das Konzert hin erst das einzige Album der Band angehört. Doch vielen im Saal geht es nicht anders. Auf eine Frage der Band hin, ob jemand der Anwesenden damals schon dabei gewesen wäre, antwortet niemand. Und dabei sind manche durchaus alt genug, und es handelt sich ja hier auch um Leute, die sich mit Musik auskennen, denn das ganze läuft ja im Rahmen eines Indie-Diskussions-Forums.
Aber das bringt uns nicht um unsere Begeisterung. Es ist schon seltsam, wenn man sonst junge Hüpfer auf der Bühne gewöhnt ist, und nun stehen da Menschen, absolut unspektakulär gekleidet, etwas verdattert, mit grauen Haaren und altersgemäßer Ruhe, die Falten mit Würde tragend. Am Sound hat sich jedenfalls nichts verändert, das Album ist auch jetzt noch eine unglaubliche Aneinanderreihung von Hits, und jeder im Publikum hat sein ganz eigenes Juwel, was er jauchzend kund tut. Alison Stattons Stimme hat sich kaum geändert, verglichen mit den Aufnahmen, immer noch glockenhell, und der Bassist ist sowieso ein cooler Hund. So spielen sie ihre Lieder, und wir haben ein Grinsen wie achtjährige bei der Bescherung im Gesicht hängen bis die Bäckchen wehtun. Doch nein, es ist viel zu schnell vorbei, und nach euphorischen Applaus kommen sie freudig verschämt noch mal auf die Bühne. Das Problem ist halt, erklärt Mastermind Philip Moxham, damals, man kam aus Cardiff, und damals kam wirklich nichts aus Wales, und sie dachten sich damals eben, wenn sie es schaffen, eine Stunde mit guten Songs zu machen und damit raus zu kommen, dann wäre das schon mehr als man eigentlich erhoffen dürfte. Noch immer scheinen sie sich über ihre Beliebtheit zu wundern, und ihre Bescheidenheit steht ihnen gut. Doch weil das Publikum so lieb klatscht, spielen sie Ihre Songs eben noch mal, und ich muss sagen, bei den meisten Bands wäre das ein grund raus zugehen, aber hier, hier bleiben wir und freuen uns um so mehr, wegen mir hätten sie das ganze Album noch mal spielen können. Aber andererseits, es ist auch gut aufzuhören wenn’s grad am schönsten ist, sei das jetzt als Konzert oder als Band an sich. Wir sind hier ja nicht bei den Stones.

Für gut befunden #1

Für alle, die die Vorzüge von deezer schon erkannt haben, hier ein neues Fundstück: Spotify, zu finden unter www.spotify.com. Sieht aus wie iTunes, funktioniert auch so, aber streamt die Songs nur, d.h. super geeignet zum Musik hören, wenn man eh nur am Computer sitzt aber die externe Festplatte grad nicht mitgeschleppt hat (hier: Bücherei und Hausarbeiten schreiben 24/7). Funktioniert und klingt erstaunlich gut ohne Ruckeln, Playlisten kann man auch machen. Anscheinend kommt alle x Lieder mal Radiowerbung, sollte aber nicht zu schlimm sein. Also am besten mal ausprobieren, solange es noch legal ist (wie immer halt).

b&n Hauptquartier wird gerade beschallt von Those Dancing Days, die mein liebster Albrecht mir gerade empfohlen hat.

PS: Heute nacht von Thees Uhlmann geträumt und ihm im Traum vorgehalten, dass die Band ja gar nicht mehr Tomte sei, weil außer ihm niemand übrig geblieben ist. Er war traurig. Dann morgens gelesen, dass Tomte Oasis supporten. Hat das was zu bedeuten?

Pollen 2008, Teil 2. Bitte um eigene Toplisten in den Kommentaren!

So genau weiß ich auch nicht, was 2008 passiert ist. Es war da, es war weg, und hoffentlich wird es jetzt wieder besser.
Sameramdingdongs best of 2008, ungeordnet, unchronologisch, nicht von 2008 aber erst da entdeckt und allgemein sinnlos:

  • The Notwist – The Devil, You and Me und das ganze live mit Wii Controller (Manchester)
  • Roisin Murphy auf dem Melt! Roisin Murphy eh aus Prinzip auf Platz 1, wenn es ein Ranking gäbe
  • Nicht das Melt und die neue Tomte
  • Pool, Darts und Pub Quizzes
  • Cold War Kids – Something is not right with me (top oder??)
  • Get Well Soon, weil ich den Hype nicht versteh – aber wenn, dann die
  • Foals (Album und live) waren recht beeindruckend
  • The Whip live (Manchester)
  • Kings of Leon – Sex on Fire (weil man sich immer wieder drüber streiten kann)
  • Autokat live (letztes Konzert überhaupt)
  • Boys Noize & Modeselektor live (WHP Manchester, weil Monate drauf gewartet und Spuren von Neonfarbe an der Tasche immer noch von diesem Irrsinn zeugen)
  • Tiere!
  • „Techno“ sagen, wenn man gefragt wird, was man hört. Klingt quirky und schützt vor nachfragen.
  • The Mighty Boosh live (super, altes Theater in Leeds)
  • Neue TV on the Radio wahrscheinlich, wenn ich sie wenigstens mal gehört hätte

Ja richtig, 2008 war schrecklich unmotiviert und wir hoffen, dass es jetzt endlich wieder aufwärts geht.