(Pop Up – Tanzschule gone mental

Nachdem ich mir die Füße mit Rheuma-Salbe eingeschmiert habe, kann es wieder losgehen.
Heute in der Halle 5, was leider einer der nüchternsten Konzertorte Leipzig ist, aber ist ja auch ein Jugendclub. Doch um neun, als es eigentlich anfangen soll, ist noch keiner da, deswegen wir erst mal in die Über-Assi-Kneipe Werk III (Billig Bier), wo wir uns draußen hinhocken und (Pop Up Besucher gucken, die fröhlich in den Sonnenuntergang spazieren und uns zuprosten.

Dann geht’s zurück in die Halle 5, wo jetzt schon mehr Leute sind, allerdings wohl vor allem die, die grad nebenan auf dem Messegelände ihre Stände aufgebaut haben. Die ersten 500 (Pop Up Besucher bekommen einen Gratisdownload des Festival-Samplers, ein schöner Zug der Veranstalter.
Die erste Band, Joensuu 1685 ist leider eine herbe Enttäuschung, Rockstargepose gepaart mit Schülerband gepaart mit Kurt Cobain-Verkleidung. Man könnte sie in einem Wort zusammenfassen, aber das wäre schon wieder zuviel Aufwand. Das Publikum bleibt uninteressiert und die Band macht gar nicht erst Pausen, wohl weil sie schon merken dass sie eh keinen Applaus bekommen würden, der am Ende dann auch sehr spärlich ausfällt.

Weiter gings mit der Berliner Band Siva. Der Frontmann mit Atompilz-Frisur und seine Band knien sich ordentlich rein und schaffen wunderschöne Sound-Wände, quasi mit kunterbuntem Graffiti drauf, und das erst so verstreute Publikum wächst an und macht den Stehaufmännchen Tanz (Beine bleiben stehen, Knie werden leicht gebeugt, Oberkörper und Kopf schwanken von vorne nach hinten und wieder zurück, Arme bleiben dicht am Körper) (mit den Nutten tanzen #1).
Schließlich kommen Bratze, meine heimlichen Götter des Absturz, in Trainingshosen, und treiben den wie besessen Tanzenden der ersten paar Reihen den Schweiß aus den Poren, Atem raubend, das bessere Fitnessstudio, Bierbauch in Rekordschnelle ansaufen und abtrainieren zugleich. Sie schlagen wie bescheuert (gänzlich positiv gemeint) auf die Instrumente ein – They’ve gone completely mental – And we love it! (strategisches Abspacken – Glieder in die Höh, die Flsche an den Mund!) (mit den Nutten tanzen #2).

Danach machen wir Clubhopping rüber zur Ilse, aber die erste Band, Lichter, ist schon vorbei, als nächstes kommen Wolke.
Als ich mich bei Last.fm bei Wolke reinhörte, fand ich die Boys nicht schlecht, aber dem Auftritt kann ich leider so gar nichts abgewinnen. Sie klingen, als ob sie einfach mal alle Soundeffekte des Keyboards austesten wollen, aber als Konzept reicht das nicht.
In der Ilse ist überhaupt diesmal alles nicht ganz so geil wie letztes Jahr auf dem (Pop Up Disco Abend, es ist leerer, alle wirken schon recht ausgelaugt, kaum Styler, weniger bekannte Gesichter zum stalken. Dafür trifft man ein paar Leute die man durch eher fragwürdige Umstände kennengelernt hat wieder, und liegt sich alsbald selig in den Armen.
Ja Panik!, die nächste Band, aus Wien, überrascht positiv. Bei der vorjährigen Flittchen-Frühlingsgala war er alleine, und war ein einziges Selbstbemittleidungskommando ohne große Fähigkeiten, inzwischen aber ist er eine mehrköpfige Band, wesentlich poppiger und lebensfroher, und es geht gut ab.
Das Intro DJ-Team war wohl sehr gut (so gut dass ich wieder den Käfer machte (sich auf dem Boden wälzen weil es so gut ist) (und dabei das Bier nicht verschütten) (mit den Nutten tanzen #3), aber genaueres weiß man nicht, mein vernebeltes Hirn kann sich nicht mehr so recht daran erinnern.